Heute hatten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Jahrgänge des Laurentius-Siemer-Gymnasiums und der Haupt- und Realschule Saterland die besondere Gelegenheit, einen tief bewegenden Vortrag von Herrn Alwin Meyer zu erleben. Als Mitglieder des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ luden beide Schulen den Forscher ein. Er hat sich seit über 50 Jahren der Aufgabe verschrieben, die wenigen Überlebenden von Auschwitz zu suchen, mit ihnen zu sprechen und ihre Geschichten für die Nachwelt aufzubereiten. Für diese herausragende Leistung wurde er mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Meyer begann seinen Vortrag mit der Schilderung seiner ersten Begegnung mit der Grausamkeit des Holocaust. Als er zum ersten Mal in Auschwitz einen Kinderschuh sah, ließ ihn dieses Schicksal nicht mehr los. Seitdem hat er mit über 80 Überlebenden auf der ganzen Welt gesprochen und ihre Geschichten gesammelt. Ein besonders eindrucksvolles Zitat, das er den Schülerinnen und Schülern vorstellte, stammt von Jürgen Löwenstein: „Damals hörte meine Kindheit auf.“ Dies bezeugt, dass es in Auschwitz keine Kindheit gab, sondern nur unvorstellbares Leid und Qualen.
Diese Lebensumstände der Kinder illustrierte er anschaulich anhand von Zahlen und Fotografien. Besonders ergreifend war die Geschichte von Kola Klimczyk, für den ein natürlicher Tod fremd war: „Gestorben! Was ist das?“ – diese Frage zeigt, wie sehr die traumatisierenden Erfahrungen das Leben der Kinder verzerrt haben. Viele der Überlebenden hatten später Schwierigkeiten, ein normales Leben zu führen, das auch nachfolgende Generationen prägte.
Meyer schilderte auch die emotionalen Belastungen, denen er während seiner Forschungsarbeit begegnete. Einige Überlebende wollten und konnten nicht über das Erlebte sprechen, andere wollten ihn und seine Arbeit näher kennenlernen.
Kurt Decker, Schulsprecher des Laurentius-Siemer-Gymnasiums, bedankte sich abschließend bei Herrn Meyer für seinen bewegenden Vortrag. Er betonte, dass solche Einblicke eine wichtige Mahnung an die heutige Generation seien, für eine demokratische Zukunft einzustehen und die Erinnerung an die Opfer des Holocaust aufrechtzuerhalten. „Es ist unsere Pflicht, die Geschichten der Überlebenden weiterzutragen und sicherzustellen, dass solche Gräuel nie wieder geschehen“, so Kurt Decker.
Der Vortrag von Alwin Meyer war eine tief bewegende Erfahrung für alle Anwesenden. Die Schülerinnen und Schüler des Laurentius-Siemer-Gymnasiums und der Haupt- und Realschule Saterland werden diese Botschaften sicherlich nie vergessen.