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Schüler fühlen Kultusminister auf den Zahn

Verfasst von Reinhard Walter. Veröffentlicht in Nachrichten aus der Schule

PK Tonne Gruppenbild webZum zweiten Mal fand am vergangenen Freitag die Schülerpressekonferenz mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne in Hannover statt. Gemeinsam mit sechs anderen Schülerzeitungsredaktionen aus Niedersachsen hatte auch die Redaktion der Online-Schülerzeitung laurentinews.de vom Laurentius-Siemer-Gymnasium eine Akkreditierung erhalten. Gemeinsam mit den drei Redakteuren Jara-Sofie Wilms, Mina Barg und Niklas Steenken machte sich Lehrer Reinhard Walter am Freitagvormittag auf nach Hannover. Im Pressekonferenzraum des niedersächsischen Landtags herrschte bereits reges Treiben, da auch Fernseh- und Radioteams von der Pressekonferenz berichteten. Die drei Schülerzeitungsredakteure hatten sich im Vorfeld gut vorbereitet und zahlreiche Fragen zur Bildungs- und auch zur Bundespolitik ausgearbeitet. Die Schülerzeitung hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Landespolitiker interviewen können, u.a. Innenminister Boris Pistorius, Tonnes Vorgängerin Frauke Heiligenstadt und sogar zweimal Ministerpräsident Stephan Weil. Doch nun mussten die Jungjournalisten feststellen, dass eine Pressekonferenz festen Regeln unterliegt, die doch stark an den Unterricht in der Schule erinnern: Zunächst galt es den Ausführungen von Kultusminister Tonne zuzuhören, der sich einleitend zum Stand der Lehrereinstellungen, zum Digitalpakt Schule und zur Demokratie-Bildung äußerte. Anschließend wurde die Fragerunde eröffnet. Hier mussten die Schüler aus Ramsloh Geduld mitbringen, denn man durfte seine Frage erst stellen, wenn man vom Leiter der Pressekonferenz aufgerufen wurde. Bei den gestellten Fragen zeigte sich ein breites Themenspektrum und die Schülerzeitungsredakteure hakten kritisch nach. Auf die Ausführungen des Ministers zu den Fridays for Future Demonstrationen wollte Niklas Steenken wissen, ob Tonne auch seinen eigenen Kindern eine Entschuldigung schreiben würde, wenn diese an einer Demonstration teilnehmen möchten. Die klare Antwort des Ministers: „Die gibt es nicht.“ Er akzeptiere und respektiere die Entscheidung, wenn jemand an einer Demonstration teilnehmen möchte, aber Teil der Entscheidungsfindung sei es auch, die entsprechenden Konsequenz zu tragen und die würde logischerweise unentschuldigtes Fehlen bedeuten.
pk tonne web 1Mina Barg sprach Tonne auf die Äußerungen seiner Kollegin Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast an, die in einem Interview gesagt hatte, dass man Lehrern keinesfalls das Vermitteln des Bildes der Landwirtschaft überlassen solle, da diese meistens Vegetarier seien. Tonne sagte, dass er diese Einschätzung nicht teile und sich sicher sei, dass Lehrer ein differenziertes Bild von Landwirtschaft hätten. Es sei wichtig, in der Schule eine offene Debatte über die Rolle der Landwirtschaft zu führen. Jara-Sofie Wilms hinterfragte, ob die von der Landesregierung beschlossene Impfpflicht der einzige Weg sei, um die in den letzten Jahren immer weiter gesunkene Impfquote bei Kindern zu erhöhen. Tonne erläuterte, dass er nach wie vor auf eine Einsicht bei den Eltern setze und dass es wichtig sei, sich über Fakten und nicht über Horrorgeschichten zu unterhalten. Unterm Strich halte er aber die beschlossene Impfpflicht für richtig, auch wenn diese, hinsichtlich der Frage, was man anderen vorschreiben dürfe, eine schwierige Abwägung gewesen sei.
Besonders deutlich positionierte sich der Kultusminister bei der Frage von Niklas Steenken, wie viele Lehrer über das Meldeportal der AfD inzwischen gemeldet worden seien und wie in diesen Fällen vorgegangen werde. „Dieses Meldeportal ist ein Witz“, so Tonne, da es eine Unmöglichkeit sei, dass eine Lehrkraft neutral unterrichten könne. „Lehrkräfte sollen eine Meinung haben und natürlich sollen sie diese auch sagen dürfen.“ Wenn sich Parteien offen demokratiefeindlich verhielten, so sei es nicht nur wünschenswert, sondern sogar die Pflicht von Schulen, dies zu thematisieren. Die Ramsloher Nachwuchsjournalisten hatten noch andere interessante Fragen in petto, doch nach 90 Minuten war die Zeit des Ministers leider vorbei und es wurden keine weiteren Fragen mehr zugelassen. Dennoch waren alle Beteiligten mit dem Ergebnis der Pressekonferenz sehr zufrieden und Kultusminister Tonne kam zu dem Fazit, dass die anspruchsvollen Fragen der Schüler ihn ganz schön ins Schwitzen gebracht hätten.

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