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LSG-Schüler erinnern an Pogromnacht – Gespräch mit Zeitzeuge

Veröffentlicht in Veranstaltungsberichte

CLOPPENBURG SATERLAND 2 58d47a04 7994 4250 b409 6370d553fc81 600x331RAMSLOH - Sie kamen in der Nacht. Warfen mit Steinen die Schaufenster jüdischer Geschäfte ein, drangen in Wohnungen ein, jagten Menschen aus ihren Häusern und setzten Synagogen in Brand.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stürmten organisierte Schlägertrupps Wohnungen, Häuser oder Läden jüdischer Mitbürger im damaligen „Deutschen Reich“. Es ging als Pogromnacht in die Geschichte ein.

Und heute? Ist das Gedenken an die Ereignisse im Nationalsozialismus wichtiger denn je. „Die Erfahrung mit totalitären Systemen, Ausgrenzung und Verletzung der Menschenwürde gibt es auch heute noch“, sagt Dr. Irmtraud Kannen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburger Münsterland. Gemeinsam mit Schülern des Schulzentrums Saterland und dem Laurentius-Siemer-Gymnasiums wird eine jährliche Gedenkveranstaltung organisiert. Am Mittwochnachmittag wurde die traditionelle Friedensleuchte übergeben, um den Gedanken an die Geschichte am Leben zu erhalten.

Die Judenverfolgung und die systematischen Menschenrechtsverletzungen geschahen aber nicht nur im weitentfernten Berlin, erklärten Schülerinnen der 10. Klasse in einem Vortrag. Als Beispiel nannten sie den Juden Alexander Hess. Er wurde 1872 in Altona (damaliges Preußen) geboren. Später wurde er Bürger von Barßel und heiratete 1920 Helene Meinerling. Zu dieser Zeit trat er zum katholischen Glauben über. Doch der Nationalsozialismus machte vor Barßel keinen Halt, in den Augen der örtlichen Nazis war Hess immer noch ein „Rassenjude“.

Nachdem Alexander Hess kurze Zeit im Sammellager Recklinghausen saß, kehrte er Barßel den Rücken und lebte von da an in ständiger Angst in Berlin. Im August 1942 wurde er in das Lager nach Riga deportiert und dort drei Tage später von den Nazis ermordet.

Als die Pogromnacht stattfand, war der Strücklinger Conrad Niemeyer vier Jahre alt. Jüdisches Leben habe es im Saterland und in Strücklinger Umgebung keines gegeben, erzählte er in einem Zeitzeugengespräch. Niemeyer erinnert sich aber noch etwas an jüdische Händler, überwiegend Schlachter und Viehhändler. In Erinnerung geblieben ist ihm vor allem der Krieg. „Viele Kriegsgefangene aus der Ukraine mussten bei Landwirten oder bei Torfwerken arbeiten, sie bekamen in den Dörfern abends eine Mahlzeit“, sagte Niemeyer.

„Auch heute noch besteht die Notwendigkeit, sich zu erinnern. Auch um sich zu erinnern, wohin es führen kann“, gab Dr. Irmtraud Kannen den Schülerin auf den Weg.

Quelle: NWZ online vom 10.11.2016

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